Dachsanierung
Holzfaser oder Mineralwolle?, die richtige Dachdämmung für Altbau und Neubau
Holzfaser, Steinwolle oder PIR? Bemessungswerte, Brandverhalten und Diffusionswerte aus den Hersteller-Datenblättern im direkten Vergleich, dazu die Fördergrenzen der BEG-Richtlinie 2026.
Kurz vorweg, damit Sie nicht erst scrollen müssen: Für ein bewohntes Dachgeschoss im Altbau bauen wir Holzweichfaser ein. Sie hält die Sommerhitze am längsten auf. Geht es nur um den U-Wert für die Förderung, um ein unbewohntes Dach oder um Brandschutzauflagen, ist Mineralwolle die richtige und die günstigere Wahl. PUR oder PIR nehmen wir nur, wenn die Aufbauhöhe wirklich knapp ist. Die Zahlen dahinter stehen in der Tabelle, jede davon aus dem Datenblatt des Herstellers.
| Dämmstoff | Bemessungswert λ (DE) | Brandverhalten | Dampfdiffusion μ | Die falsche Wahl, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Holzweichfaser, STEICOflex 038 | 0,040 W/(m·K) | Euroklasse E, normal entflammbar | 2 | Brandschutzauflagen bestehen oder die Aufbauhöhe knapp ist. Für denselben U-Wert braucht sie die dickste Schicht der drei. |
| Steinwolle, ROCKWOOL Klemmrock 035 | 0,035 W/(m·K) | Euroklasse A1, nichtbrennbar, Schmelzpunkt ab 1000 °C | 1 | Das Dachgeschoss bewohnt ist und im Hochsommer aufheizt. Beim Hitzeschutz ist sie der Holzfaser unterlegen. |
| PIR-Hartschaum, puren Perfect | 0,023 W/(m·K) | Euroklasse E, normal entflammbar | 40 bis 200 | Die Konstruktion diffusionsoffen bleiben soll. Der μ-Wert liegt 20 bis 100 mal höher als bei den beiden anderen. |
Bemessungswerte nach DIN 4108-4, Brandverhalten nach DIN EN 13501-1, Diffusionswiderstandszahl nach DIN EN 12086. Werte aus den technischen Datenblättern der Hersteller, abgerufen am 8. September 2026.
Die Wahl der Dämmung ist kein Detail. Sie entscheidet, wie warm das Haus im Winter ist, wie heiß im Sommer, wie diffusionsoffen die Konstruktion bleibt, und wie das Material in 30 Jahren aussieht. Wir bekommen die Frage in jedem Beratungstermin gestellt: Was empfehlen Sie? Hier eine ehrliche Einordnung.
Die drei realistischen Optionen
Auf dem Markt gibt es viele Dämmstoffe. Bei Strobel-Dachsanierungen kommen praktisch nur drei zum Einsatz:
- Holzweichfaser, biologisch, diffusionsoffen, hohe Speichermasse
- Mineralwolle (Glas- oder Steinwolle), bewährt, günstig, mineralisch
- PUR / PIR, Hochleistungs-Hartschaum, dünn aufbauend, beste U-Werte
Andere Materialien (Hanf, Schafswolle, Zellulose) gibt es, sie haben aber im Sanierungs-Alltag entweder Anwendungsgrenzen oder Preisaufschläge, die sie für die meisten Privatkunden ungeeignet machen.
Holzweichfaser, der Premium-Standard
Wir bauen bei den meisten Altbau-Sanierungen Holzweichfaser ein, oft kombiniert mit anderen Materialien. Die Gründe:
Sommerhitzeschutz. Der Grund dafür steht im Datenblatt: Steico gibt für die STEICOflex 038 eine spezifische Wärmekapazität von 2.100 J/(kg·K) bei rund 50 kg/m³ Rohdichte an. Rockwool nennt im Datenblatt des Klemmrock 035 gar keinen Wert dafür, weil Wärmespeicherung bei Steinwolle nicht das Verkaufsargument ist. Praktisch heißt das: Die Hitze, die mittags aufs Dach trifft, kommt bei einem Holzfaser-Aufbau später im Raum an. Wie viel später, hängt an Dicke und Rohdichte des konkreten Aufbaus, deshalb rechnen wir das je Bauvorhaben nach und nennen keine Pauschalzahl.
Diffusionsoffenheit. Holzweichfaser ist atmungsaktiv. Feuchtigkeit, die in die Konstruktion gelangt, kann nach außen abgegeben werden, ohne dass Tauwasser entsteht. Das macht das Bauteil bauphysikalisch entspannt, gerade bei Altbau-Konstruktionen mit nicht perfekt dichten Dampfbremsen ein echter Vorteil.
Nachhaltigkeit. Holzweichfaser besteht aus Resthölzern aus der Sägeindustrie, nachwachsender Rohstoff, CO₂-Speicher in der Konstruktion, am Lebensende kompostierbar oder energetisch verwertbar.
Verarbeitung. Holzweichfaserplatten sind druckstabil, lassen sich zuschneiden wie Holz, sauberes Arbeiten ohne Schutzanzug.
Der Nachteil: Preis. Material kostet 50 bis 80 % mehr als Mineralwolle. Bei einem 150 m² Dach reden wir über 3.000 bis 5.000 € Materialaufschlag.
Mineralwolle, der bewährte Klassiker
Mineralwolle ist nicht "schlechter" als Holzweichfaser, es kann der richtige Werkstoff sein, wenn das Projekt anders priorisiert ist:
- Brandschutz, Mineralwolle ist nicht brennbar (A1). Bei besonderen Brandschutzanforderungen (Mehrfamilienhäuser, gewerbliche Nutzung) oft Pflicht.
- Preis, gut 50 % günstiger als Holzweichfaser. Bei großen Flächen entscheidende Größe.
- Verfügbarkeit, kein Lieferengpass, sofort lieferbar.
Was Mineralwolle weniger gut kann: Sommerhitzeschutz und Schallschutz. Wer also ohnehin ein hohes Energieeffizienz-Ziel verfolgt und im Dachgeschoss wohnt, fährt mit Holzweichfaser besser.
PUR / PIR, die Hochleistungs-Option
PUR oder PIR (Hartschaum-Platten) hat einen einzigen großen Vorteil: beste U-Werte bei dünnster Aufbauhöhe. Mit 14 cm PIR erreichen Sie U-Werte, die mit Mineralwolle 22 cm und mit Holzweichfaser 26 cm nötig wären.
Wann sinnvoll: Wenn die Aufbauhöhe wirklich limitiert ist, etwa bei Aufsparrendämmung an einem Bestandsdach, wo eine zu hohe Dämmschicht ästhetisch oder bauplanungsrechtlich problematisch ist.
Was Sie wissen müssen: PUR/PIR ist ein chemisches Produkt. Diffusionsoffen ist es nicht. Ökologisch nicht vergleichbar mit Holzweichfaser. Preis liegt zwischen Mineralwolle und Holzweichfaser.
Was in den Datenblättern steht, und was davon niemand gern erwähnt
Drei Punkte aus den Herstellerangaben, die in Beratungsgesprächen regelmäßig für Ueberraschung sorgen.
Holzfaser ist nicht die brandsicherere Wahl. Steico weist die STEICOflex 038 im technischen Datenblatt als Euroklasse E aus, also normal entflammbar, genau wie den PIR-Hartschaum. Nichtbrennbar nach Euroklasse A1 ist von den drei Materialien nur die Steinwolle, Rockwool nennt im Datenblatt zum Klemmrock 035 zusätzlich einen Schmelzpunkt ab 1000 °C. Wer Holzfaser für das im Brandfall harmlosere Material hält, verwechselt ökologisch mit nichtbrennbar.
Diffusionsoffen ist keine Meinung, sondern eine Zahl. Die Diffusionswiderstandszahl μ liegt bei der Steinwolle bei 1, bei der Holzfaser bei 2 und beim PIR-Hartschaum zwischen 40 und 200. Das ist der Unterschied zwischen einem Bauteil, das Feuchte wieder loswird, und einem, das sie einsperrt. Genau daran hängt unsere Zurückhaltung bei reinen PIR-Aufbauten im Altbau.
Der beste Dämmwert kommt nicht vom ökologischsten Material. Für denselben Wärmedurchlasswiderstand brauchen Sie rund 23 cm Holzfaser, 20 cm Steinwolle oder 13 cm PIR. Wer im Altbau über die Traufhöhe oder den Anschluss ans Nachbardach diskutiert, merkt das sofort.
Die Strobel-Empfehlung: Kombination
In der Praxis bauen wir bei den meisten Altbau-Sanierungen eine Kombination ein:
- Aufsparrendämmung mit 16 bis 22 cm Holzweichfaser (oben, sommerhitzewirksam, diffusionsoffen)
- Zwischensparrendämmung mit Mineralwolle oder PUR (zwischen den Sparren, ergänzt den U-Wert)
Damit kommen Sie auf U-Werte um 0,14 W/(m²K), der für BAFA-Förderung gefragt ist, bei einer Konstruktion, die bauphysikalisch entspannt ist und sommerlichen Hitzeschutz mitliefert.
Was die Förderung vom Dämmstoff verlangt
Die Förderrichtlinie für die Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen vom 17. Juli 2026 hat die Fassung von 2023 abgelöst. Für Dächer steht dort: Dachflächen von Schrägdächern und die dazugehörigen Kehlbalkenlagen dürfen höchstens einen U-Wert von 0,14 W/(m²·K) haben, Dachgauben 0,20. Der Zuschuss beträgt 15 Prozent, mit einem individuellen Sanierungsfahrplan kommen 5 Prozentpunkte dazu.
Für Baudenkmale und besonders erhaltenswerte Bausubstanz gilt etwas anderes, und das wird oft übersehen: Dort verlangt die Richtlinie keinen U-Wert, sondern die höchstmögliche Dämmstoffdicke mit einer Wärmeleitfähigkeit von λ ≤ 0,040 W/(m·K). Das ist die Regel, die denkmalgeschützte Dächer überhaupt förderfähig macht, weil ein U-Wert von 0,14 dort baulich oft gar nicht erreichbar wäre.
Unsere Einschätzung dazu: Die Holzweichfaser trifft mit ihrem deutschen Bemessungswert von 0,040 W/(m·K) diese Denkmal-Grenze exakt, ohne einen Millimeter Reserve. Das reicht, solange das Produkt und der Nachweis zusammenpassen, ist aber der schmalste Grat der drei Materialien. Wir rechnen im Denkmal deshalb jeden Aufbau vorher durch, statt uns auf den Katalogwert zu verlassen. Einschätzung von Quirin Strobel, Zimmerermeister, Stand September 2026.
Und noch eine Rechnung, die viele Bauherren überrascht: Zwischensparrendämmung allein reicht bei üblichen Sparrenhöhen nicht für die Förderung. 20 cm Steinwolle mit 0,035 W/(m·K) ergeben einen Wärmedurchlasswiderstand von 5,71 m²K/W, mit den Übergangswiderständen Rsi 0,10 und Rse 0,04 sind das rund 0,17 W/(m²·K). Und da sind die Sparren selbst als Wärmebrücken noch gar nicht eingerechnet. Deshalb die Kombination weiter unten.
Was wir nicht machen
- Reine PUR-Dächer bei Altbauten ohne Not. Die Diffusionsdichtheit funktioniert nur, wenn die Dampfbremse perfekt verlegt ist. Bei Altbau-Konstruktionen ist das Risiko zu groß.
- EPS / Styropor. Brennbarkeit, Mikroplastik-Problematik, schlechte Dämmwerte gegen Hitze. Bei Dächern grundsätzlich nicht.
Ehrliche Antwort auf die Beratungsfrage
Wenn Sie uns fragen "Was bauen Sie bei mir ein?", ist die Antwort meistens:
Holzweichfaser oben, Mineralwolle oder PUR unten. Wir investieren ein paar Tausend Euro mehr in das Material, weil das auf 30-Jahre-Sicht der Werkstoff ist, der zum Haus, zur Region und zu Ihren Erwartungen passt.
Wenn Sie aber als Auftraggeber sagen: "Mir geht es nur um den U-Wert für die Förderung, ich bin nicht im Dachgeschoss", dann reichen 22 cm Mineralwolle. Das sagen wir Ihnen ehrlich. Niemand soll mehr Geld ausgeben als nötig.
Sie wollen wissen, welche Dämmung in Ihrem Fall sinnvoll ist? Schreiben Sie uns das Baujahr Ihres Hauses und ob das Dachgeschoss bewohnt ist, wir geben Ihnen im Beratungstermin eine konkrete Empfehlung mit Begründung.
Fragen aus der Praxis
Was Bauherren uns zur Dämmung fragen
-
Was ist besser, Holzfaser oder Mineralwolle?
Für ein bewohntes Dachgeschoss Holzfaser, wegen der Wärmespeicherung im Sommer. Für ein unbewohntes Dach, bei Brandschutzauflagen oder wenn nur der Förder-U-Wert zählt, Mineralwolle. Sie dämmt bei gleicher Dicke sogar etwas besser, 0,035 gegen 0,040 W/(m·K) im Bemessungswert, und kostet rund die Hälfte. -
Holzfaser oder Steinwolle, wo ist der Unterschied?
Mineralwolle ist der Oberbegriff, darunter fallen Glaswolle und Steinwolle. Die Werte in der Tabelle oben sind die einer Steinwolle. Gegenüber Holzfaser sind die beiden entscheidenden Unterschiede: Steinwolle ist nichtbrennbar nach Euroklasse A1, Holzfaser nur normal entflammbar nach Euroklasse E. Dafür speichert Holzfaser deutlich mehr Wärme und bremst die Sommerhitze länger. -
Ist Holzfaserdämmung brennbar?
Ja. Steico weist die STEICOflex 038 im technischen Datenblatt als Euroklasse E nach DIN EN 13501-1 aus, also normal entflammbar. Das ist im eingebauten Zustand unter Ziegeln und hinter einer Beplankung in der Regel unproblematisch, aber wo Brandschutzauflagen gelten, etwa im Mehrfamilienhaus oder bei gewerblicher Nutzung, führt an nichtbrennbarer Mineralwolle nach Euroklasse A1 kein Weg vorbei. -
Reicht Zwischensparrendämmung allein für die BAFA-Förderung?
Bei üblichen Sparrenhöhen nicht. 20 cm Steinwolle zwischen den Sparren ergeben rechnerisch rund 0,17 W/(m²·K), gefordert sind 0,14. Die Sparren selbst verschlechtern den Wert zusätzlich. Förderfähig wird das Dach in der Regel erst mit einer Aufsparren- oder Untersparrenebene obendrauf. -
Warum bauen Sie kein EPS oder Styropor ins Dach?
Wegen der Brennbarkeit, der Mikroplastik-Frage am Lebensende und weil EPS gegen sommerliche Hitze kaum etwas ausrichtet. Bei Dächern ist das für uns keine Option, auch nicht als Sparvariante.
Beratung
Reden wir über
Ihr konkretes Projekt.
Beratungstermin vor Ort, kostenlos, unverbindlich, mit ehrlicher Einschätzung.